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Freitag, 9. Oktober 2009

Lichtfest in Leipzig

Der 20. Jahrestag der großen Demonstration in Leipzig wird heute mit einem Lichtfest begangen. Bundespräsident Köhler wird eine Rede halten.

Anlass für mich einen kleinen Rückblick zu halten, auch weil ich bei MDR-TV einiges an Berichterstattung und Filmen in den letzten Tagen gesehen habe.

Anfang des Jahres 1989 war für mich und sicher viele Westdeutsche die DDR als Land seit langen Jahren schon in völlige Vergessenheit geraten. Jahrzehnte waren seit dem Bau der Berliner Mauer vergangen. Ein Ereignis, von dem man einfach geschockt war. Als die Mauer wieder auf war, fuhren wir gleich von Westdeutschland über die Zonenautobahn nach Berlin. Auf jeder Autobahnbrücke standen Menschen. Sie haben den Autos zugewunken die in Richtung Berlin fuhren. Viele Menschen waren auf den Brücken. Die Stimmung war sagenhaft: Pure Freude! Alles strahlte und war begeistert. Aus dem Autofenster haben wir zurückgewunken. Das wurde so emotional, dass ich Freudentränen geheult habe! Ja, kann ich ruhig zugeben. Es war ja auch eine Wahnsinnsüberraschung als die Reisefreiheit im Fernsehen bekannt gegeben wurde und auf Rückfrage eines Journalisten bestätigt wurde, dass die ab sofort gilt.

Am Grenzübergang waren wir so aufgeregt, dass wir das Auto aufgelassen hatten als wir Papierkram zu erledigen hatten. Irgendwie war es auch gruselig an dieser verdammten Grenze. Schließlich, wir wußten ja nicht ob die da noch mit Waffen herumlaufen und die Grenzsoldaten - die normal vor kurzer Zeit noch Flüchtlinge erschießen mußten ... jedenfalls, dieses kontrollieren war recht nervig.

In Berlin angekommen gingen wir ein gutes Stück an der Mauer entlang bis zum Brandenburger Tor. Viele Spaziergänger waren unterwegs. Überall hämmerten und bohrten und schlugen sie auf die Mauer ein. Die Mauer hatte schon ziemlich Löcher bekommen, so dass man ab und zu gute Sicht hatte und über den Todesstreifen hinüber in die DDR sehen konnte. Am Brandenburger Tor angekommen sahen wir oben auf der Mauer wieder Grenzsoldaten stehen. Viele Übertragungswagen der internationalen Medien standen kurz vor der Mauer. Eigenartige Stimmung. Berlins Zentrum war voll von Menschen. Alle waren froh, neugierig und es war eine grandiose Aufbruchstimmung in der Stadt. Wir waren lange unterwegs. Bis 5 Uhr Morgens. Dann kamen die ersten Zeitungsverkäufer auf die Straßen und wir kauften sofort eine. Riesenschlagzeile: DIE MAUER IST AUF! Freudentaumel, und so weiter und sofort. Schwarz-rot-goldene Fahne. Die Zeitung habe ich heute noch.

Zwanzig Jahre ist das nun her. Ich habe mich immer bemüht irgendwie zu verstehen, wie das Leben in der DDR gewesen ist. Habe Tellkamps Turm gelesen, fast 1000 Seiten, und doch, irgendwas begreife ich da nicht. Die SED-Nachfolgepartei wird heute immer noch in den östlichen Bundesländern gewählt. Nun ja, wollen sie wieder zurück zu Verhältnissen wie in der ehemaligen DDR? Ich meine Freiheit, also Freiheit, zu sagen was man möchte, das is es doch. Du kannst lassen und tun was du willst. Menschen sind auch nicht alle gleich. Das wäre ein Denkfehler. Vor dem Gesetz, ok. Aber sonst?

Na ja, was ist wirklich wichtig? Allein doch das, finde ich jedenfalls, was bei den großen Demonstrationen in der ehemaligen DDR mit Vehemenz gerufen und skandiert worden ist: "Deutschland einig Vaterland!" Wenn ich die Szenen im TV wiedersehe und die Worte höre, so fange ich jedesmal wieder an innerlich zu bibbern. Diese Szenen wühlen mich noch immer innerlich auf. Das geht mir vielleicht auch nicht alleine so, könnt ich mir denken.

Et si omnes, ego non.

Auch wenn alle es so machen, ich nicht.

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"Allmählich verwandelt das Mysterium des Lebens jeden Kummer gewesener Tage in ruhige Heiterkeit." Fodor M. Dostojewski ________________________ "Du bist die Zukunft, großes Morgenrot über den Ebenen der Ewigkeit. Aus dir kommt mir Wissen, dass ich Raum zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe." Rainer Maria Rilke