Literatur?

"Der Schleiflack des Türrahmens mit seinen schweigenden Lichtpunkten, die aufblitzten je nachdem wie Peter Peters sich bewegte, konnten die Langeweile des Wartens auf der zweituntersten Treppenstufe des Hauses Siebenmeilenschön, das an der Ebertinenbrücke neben einer siebenhundertjährigen Eiche, deren weit ausladende Äste schon lange durch Dreibockhalter gestützt werden mussten und den Ort zu einem Touristenmagnet gemacht hatte, auch nicht erträglicher machen, denn die stumme Türglocke, einst blank, nun aber verbeult und mit einem kläglichen Ton bestraft, die sicherlich einst in hellem Messingglanz erstrahlte, verhielt sich durch ihr leises Schwingen so, als wollte sie gerade den Hausherrn heranrufen, der aber nicht anwesend war, sondern die Vorbereitungen für das Gebutstagsfest des hiesigen Krabbenhändlers Benjamin leitete, der noch immer in Marokko weilte und sicherlich höchst ungern Heim kehrte, da er wußte, das sein Refugium, direkt am Elbufer gelegen nun mit einem im Mondschein glänzenden diamantenem Teppich bedeckt war der in blendendem weiß alle Geräusche stumpf und leise machte, so dass Herr Benjamin es liebend gern eher vorzog schnell noch einen Besuch bei der könglichen Bauchtanzshow einzulegen bevor er die Rückreise antrat."

Das obige Textbeispiel soll verdeutlichen wie moderne Literatur auszusehen hat. Wenn Sie so schreiben, dann sind die Verlagslektoren begeistert und ihr Werk wird gedruckt. Auch dann wenn Sie tausend Seiten in dem Stil geschafft haben. Dann sind Sie sogar fällig für einige Literaturpreise und TV-Auftritte. Die Sätze müssen lang sein, sehr lang und möglichst verwirrend! (lach) Der Leser darf am Ende des Satzes nicht mehr wissen worum es eigentlich ging! (Hihi) Jo, das is moderne Literatur. (Grauenhaft sowas!)

FORTSETZUNG

Und hier zum Vergleich eine Kostprobe aus einer Veröffentlichung des Wiener Verlags: Kleine Kostbarkeiten der Weltliteratur:

"Ich bin ein lächerlicher Mensch. Jetzt nennen sie mich sogar einen Verrückten. Das wäre ja eine Rangerhöhung, wenn ich dabei für sie nicht immer noch lächerlich bliebe. Aber ich ärgere mich jetzt nicht mehr darüber; sie sind mir alle lieb, auch wenn sie über mich lachen - ja, aus irgendeinem Grunde sind sie mir dann besonders lieb. Ich würde gerne mitlachen - nicht so sehr über mich, vielmehr aus Liebe zu ihnen, wenn mich nur ihr Anblick nicht so traurig machen würde. Deshalb traurig, weil sie die Wahrheit nicht wissen. Ich aber weiß die Wahrheit. Oh Gott, wie schwer ist es, ganz allein im Besitze der Wahrheit zu sein! Dies aber werden sie nicht verstehen, nein, sie werden es nicht begreifen."

Wer viel gelesen hat, wird wohl wissen aus wessen Feder dieser Text stammt und sich auch an den Titel erinnern. Im Vergleich zum Text ganz oben, bemerkt man, dass kurze klare Sätze den Gedankengang vorantreiben. Was weitaus angenehmer zu lesen ist. Es ist viel interessanter! Der Text ganz oben ist einfach "Schrott", "Ausschuß"!

Der Anfang der Erzählung, die mit: Ich bin ein lächerlicher Mensch ... , beginnt, ist aus Dostojewskis Werk: Der Traum eines lächerlichen Menschen / Eine phantastische Erzählung.

Diese Erzählung Dostojewskis ist zwar nicht so sehr bekannt, aber sie ist aufwühlend und sie kann mitunter auch in den hintersten Ecken des Gedächtnisses des Lesers etwas in Bewegung bringen.

Et si omnes, ego non. Auch wenn alle es so machen, ich nicht.

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